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Amazone

die, maskuline Frau, Kriegerin in der griechischen Mythologie. Die Amazonen lebten an den Ufern des Thermodon in Kleinasien. Ihre Hauptstädte waren Themiskyra, Lycastia und Chadisia. Wie Sallust berichtet, sollen sie ursprünglich an den Ufern des Tanais (des heutigen Don) ansässig gewesen sein. Die Amazonen brannten sich die rechte Brust aus, um den Bogen besser spannen zu können. Sie lebten ganz unter sich und nahmen keinen Mann in ihre Gemeinschaft auf. Zur Erhaltung ihrer Rasse begaben sie sich alljährlich im Frühjahr zu dem benachbarten Bergvolk der Gargareis. Die Söhne, die diesen kurzen Vereinigungen entsprangen, wurden getötet oder zu ihren Vätern zurückgeschickt. Die Amazonen behielten nur die Töchter und erzogen sie zu Kriegerinnen. Ihre Lieblingswaffen waren Doppelaxt (bipennis) und Wurfspieß (pi/um), den sie sogar erfunden haben sollen. Vergil bezeichnet ihre Schilde als mondförmig. Wie andere asiatische Schilde waren sie rund und klein, hölzern oder aus Weidenruten geflochten und mit Leder überzogen. Am oberen Rand waren sie mit einer oder zwei sichelförmigen Einbuchtungen versehen.

Manche Autoren, z. B. Weigall, bestreiten den Wahrheitsgehalt der Amazonensage. Ihnen zufolge waren die legendären Amazonen die einstigen Priesterinnen der Kybele, die auf alten lydischen Zeichnungen mit Kriegsbeilen und als Tanzende mit Bogen und Schild dargestellt wurden.

Athenaios berichtet in diesem Zusammenhang, dass die Lyder die ersten gewesen seien, die durch einen chirurgischen Eingriff Frauen sterilisierten. Da diese Operation die Entwicklung typisch männlicher Merkmale bewirkt, wären die bärtigen Amazonen demnach die Priesterinnen der Göttin Kybele gewesen. Sie entsprächen damit den Pristern des Gottes Attis, die sich entmannten und dadurch feminin wurden. Diese Legende, die die Angst der Griechen vor der Frau und ihre homosexuellen Neigungen verdeutlicht, regte zahlreiche Erzählungen an, in denen sich Geschichte und Mythos vermischen. Die Amazonen sollen mehrere Königinnen gehabt haben. Sie nannten sich Töchter des Mars, um ihre Autorität zu steigern. Die berühmtesten waren: Hippolyte, die von Herakles getötet wurde; Antiope, die Theseus angriff und von ihm am Thermodon besiegt wurde; Penthesilea, die gegen Ende des Trojanischen Krieges Priamos zu Hilfe kam und von Achilles getötet wurde; Thomyris, durch die Kyros umkam; Thalestris, die Alexander den Grossen aufgesucht haben soll. Ende des 18. Jahrhunderts ließ Heinrich von Kleist in seiner Tragödie Penthesilea Achilles durch die Hand der Amazone sterben. Indem er die griechische Sage umkehrte, enthüllte er zweifellos einen der bedeutenden psychischen Aspekte des Mythos, nämlich die masochistische Neigung mancher femininer Männer, sich von maskulinen Frauen besiegen und vernichten zu lassen. Die masochistische Tendenz erscheint auch im XI. Buch der Aneis. Vergil schildert dort mit einer deutlichen Mischung von Wohlgefallen und Schmerz, wie die Amazone Gamilla vor ihrem Tode zahlreiche Krieger erniedrigt und massakriert. Selbst Arruns, der sie besiegt, wagt nicht, sich seiner Heldentat zu rühmen, und ist von der Frau bezaubert, die er soeben geschlagen hat.

Dass die Sage von den Amazonen, real oder symbolhaft, eine Episode des Kampfes zwischen den Geschlechtern darstellt, scheint durch analoge Berichte bestätigt zu werden, die die ersten Europäer von den Ufern des Marafion Brasilien mitbrachten. Sie nannten den Fluss Amazonas, weil sie an seinen Ufern kriegerische Frauen angetroffen hatten. Der spanische Frater Gaspar de Garjaval, der sie ebenfalls gesehen haben will, beschreibt sie als sehr weiss und hochgewachsen, mit langen Haaren, die sie in Zöpfen aufgesteckt tragen. Er fügt hinzu: Sie haben starke Muskeln, sind nackt und bedecken nur ihre Scham. In der Hand tragen sie Pfeil und Bogen und verstehen wie zehn Indianer zu kämpfen. Am Jahrestag ihres Festes badeten sie in einem See, den sie Yaci onaroua oder Widerschein des Mondes nannten. Nur an diesem Tag vereinigten sie sich mit einem Mann. Wenn aus dieser Verbindung eine Tochter entsprang, schenkten sie ihrem Partner einen glückbringenden Stein, den muira­quitan, den sie auf dem Grunde des Sees suchten und der nichts anderes war als durch das Mondlicht hartgewordener Schlamm. Ihre Macht fand erst ein Ende, als ein Held namens Youroupari die männlichen Angehörigen des Stammes in die Sonnenriten einweihte. Diese Riten, die die Vorherrschaft des Mannes sichern sollen, sind noch heute lebendig. Es ist typisch, dass Youroupari selbst, den die Indianer Brasiliens in den Stand einer Gottheit erhoben, niemals eine Frau berührte. In dieser wie in der griechischen Sage sind die weibliche Homosexualität der Amazonen Sexcams und die männliche Homosexualität der die Amazonen besiegenden Helden die bei den Pole im Kampf der Geschlechter. In Dahomey soll es vor der französischen Eroberung ebenfalls ein Amazonenheer gegeben haben.

In der antiken Bildhauerkunst tragen die Amazonen im allgemeinen ein skythisches oder dorisches Gewand. Auf zahlreichen Kunstwerken werden sie als Verwundete oder Kniende dargestellt. In Delphi spielen die Metopen des athenischen Schatzhauses auf den Sieg des Theseus über Antiope an. Amazonenstatuen finden sich in den Museen des Kapitols, des Vatikans und in Berlin. Szenen aus der Amazonensage schmücken den Fries des Tempels von Phigalia und des Mausoleums von Halikaruassos. In seinem Kampf der Amazonen hat Rubens den Sieg des Theseus am Thermodon dargestellt. Dasselbe Thema wurde von Properz und Ovid behandelt.

mh

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